Nach Bedrohung mit Messer in ICE: Sicherheit muss endlich Priorität haben!

Am Dienstag ist ein ICE von Köln nach Berlin wegen einer Bedrohungslage gestoppt und geräumt worden. Ein 44-Jähriger soll während der Fahrt das Zugpersonal und Fahrgäste mit einem Messer bedroht haben. Zudem behauptete er, einen weiteren gefährlichen Gegenstand mitzuführen.

Die Berichte über den Vorfall an diesem Dienstag im ICE 541 seien erschütternd, aber leider nicht überraschend, sagt der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch. „Seit Jahren steigt die Anzahl von Übergriffen auf Bahnpersonal- in den letzten zehn Jahren haben sich die Körperverletzungen verdoppelt! Die Beschäftigten fühlen sich immer unsicherer während der Arbeit und melden Übergriffe oft nicht, weil sie das Gefühl haben, dass anschließend sowieso nichts passiert und sich kaum etwas verändert.“

Das sei nicht hinnehmbar. Vorfälle wie dieser seien nicht nur für Beschäftigte, sondern auch für Kundinnen und Kunden ein Sicherheitsrisiko. „Investitionen in den Schutz des Bahnpersonals würden auch für ein besseres Sicherheitsgefühl der Reisenden sorgen“, so Loroch. 

Zwar habe die EVG schon Verbesserungen erkämpft, vor allem in der technischen Ausstattung mit Bodycams, aber insbesondere die Ausstattung mit zusätzlichen Kundenbetreuer:innen und Sicherheitspersonal sei noch lange nicht auskömmlich. Gerade Alleinarbeit stelle weiterhin ein Risiko für gefährliche Situationen dar. 

„Aber auch die Politik muss liefern! Sonderdezernate zur Bekämpfung von Gewalt gegen Beschäftigte bei Bahnen und im öffentlichen Dienst tragen zu schnellerer Strafverfolgung bei. Aber es braucht auch mehr Initiativen, um Straftätern schneller Beförderungsverbote erteilen zu können. Nicht zuletzt braucht es eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung der Aufgabenträger, um Sicherheitsleistungen auskömmlich zu finanzieren. Bisher haben scheinbar weder Arbeitgeber noch Politik die Dringlichkeit von Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigen und Kundinnen und Kunden vollumfänglich verstanden.“

Die EVG hatte im vergangenen Jahr eine große Umfrage zum Thema Sicherheit durchgeführt, die erschütternde Ergebnisse geliefert hat. Wir hatten Beschäftigte mit Kundenkontakt zu ihrem Sicherheitsempfinden befragt. Danach nimmt die Unsicherheit zu. 82 % erlebten Anfeindungen oder Übergriffe. Bei 63 % hat sich das Sicherheitsempfinden in den letzten 5 Jahren verschlechtert.

Zu den Ergebnissen der EVG-Umfrage