„Wir sind stolz darauf, dass uns die Geschichte verbindet“
Im DGB steht das Jahr 2025 im Zeichen der besonderen Verbindung mit dem israelischen Gewerkschaftsbund Histadrut. Beide verbindet ein bereits vor 50 Jahren geschlossenes Partnerschaftsabkommen. Nun wurde es in Berlin symbolisch erneuert.
„Wir sind stolz darauf, dass uns die Geschichte verbindet,“ erklärte die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi am 1. April auf einem Festakt anlässlich dieses Jubiläums. Bereits 1957 reiste eine erste DGB-Delegation nach Israel, um Kontakte im Sinne der Gewerkschaften aufzunehmen. „Wir waren die ersten, die sich für diese Verbindungen eingesetzt haben“, hob Fahimi in einer kleinen Zeitreise hervor. Am 3. September 1975 wurde die Partnerschaft beider Gewerkschaftsverbünde formal unterzeichnet und hob sie somit auf eine neue Stufe. Übrigens, Vorsitzender der Histadrut war damals der Mann, der am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeit ausrief und erster Ministerpräsident des neuen Staates Israel war: Ben Gurion.
Einfühlend wusste der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, die Beziehungen in seinem Grußwort zu beschreiben. „Beide Organisationen sind Wegbereiter der guten Verbindungen beider Länder“. Es brauche immer Mutige, die Anderen voraus sind. „Das hat der DGB gezeigt“. Es gehe nicht nur um historische Erinnerungskultur, sondern auch um Verantwortung für die Zukunft. Dafür seien vor allem Jugendbegegnungen enorm wichtig. „Nur in einer Sache hat Deutschland keine Verantwortung übernommen“, so Prosor augenzwinkernd: „Ihr habt uns Fußball nie beigebracht!“ Sein Land habe seit 1970 nie eine WM-Teilnahme geschafft, schob er lächelnd nach.
Die Delegation aus Israel wurde vom Vorsitzenden der Histadrut, Arnon Bar-David geleitet. Er lobte in seiner Festrede die Bedeutung der über die Jahre gewachsenen, vielen persönlichen Freundschaften und Verbindungen. „Wer die Geschichte versteht, weiß, dass es hier um mehr als nur eine weitere Partnerschaft geht. Es ist vielmehr eine mutige Wahl zweier Völker, die aus gegenseitigem Respekt zusammenrutschen sowie aus Verantwortung, der Verantwortung zu erinnern!“
Berlins Regierender Bürgermeister, Kai Wegner, hob neben der Stärke beider Gewerkschaftsverbünde - Histadrut und DGB - die neun gelebten Städtepartnerschaften zwischen Berlin und Israel hervor. Sie seien wichtig, um dem schwelenden Antisemitismus in Deutschland zu begegnen. „Berlin ist die Stadt der Freiheit und der Vielfalt.“ Egal, wo jemand herkomme, woran er/sie glaubt, wen oder wie man liebt: es sei nur wichtig, dass wir alle gemeinsam friedlich zusammenlebten. „Rassismus, Antisemitismus, Hass und Hetze gehören hier nicht hin“, bekräftigte Wegner.
Im Laufe der Veranstaltung wurde dem Vorsitzenden der Histadrut, Arnon Bar-David sowie anderen mitgereisten, israelischen Funktionär:innen die Hans-Böckler-Medaille, die höchste Auszeichnung des DGB, verliehen. Er und seine Kolleg:innen haben sich über viele Jahre konsequent für die deutsch-israelischen Gewerkschaftsbeziehungen eingesetzt.
Weitere Gäste sowie Redner:innen aus Politik, Kultur und öffentlichem Leben waren zu der Veranstaltung eingeladen. So, u.a. Bundes-Innenminsterin Nancy Faeser sowie auch die Vorstände der DGB-Mitgliedsgewerkschaften; u.a. der EVG, Martin Burkert und Cosima Ingenschay.
Daniel Neumann als Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, fasste die Wichtigkeit des Anlasses für den Festakt so zusammen. „Was Israel braucht, ist Solidarität: pur, ehrlich, aufrichtig und von ganzem Herzen“. So, wie es der DGB dem Land nach dem 7. Oktober 2023, dem Tag der verheerenden Terrorangriffe der Hamas auf Israel, zum Ausdruck gebracht habe. „Das ist wahre Freundschaft“.
Im kommenden Herbst wird eine Delegation des DGB auf einem internationalen Forum in Tel Aviv neue Formen der Zusammenarbeit diskutieren. Bereits im Februar waren Vertreter:innen des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften zu einem Austausch in Israel. Mit dabei war auch der EVG-Vorsitzende Martin Burkert.